Trauma und Demenz

Viele alte und hochaltrige Menschen leiden an den Folgen traumatischer Erlebnisse, wie z. B. Kriegs- und Nachkriegserlebnisse, sexualisierter Gewalt, Gewalt im Pflegekontext, Überfälle…. mit denen sie im Lebensverlauf konfrontiert wurden. Sie reagieren hierauf mit verschiedenen Verhaltensweisen und Symptomen (Traumafolgen), die leider oftmals fälschlicherweise als Demenz oder (Alters-)Depression diagnostiziert werden. Darüber hinaus kommt es in der praktischen Arbeit immer wieder vor, dass bei einer diagnostizierten Demenzerkrankung Traumafolgen übersehen werden.
Auch durch aktuelle Ohnmachtssituationen – wie zum Beispiel bei einer Pflege- oder Hilfebedürftigkeit oder aufgrund der Diagnose Demenz – kann es zu Erinnerungen an die früher erlebten Traumata kommen; hier spricht man von Trauma-Aktivierungen. Die alten Erinnerungen können ebenso durch aktuelle Geräusche, Gerüche, Filme, Nachrichten… ausgelöst werden. Hier spricht man von Triggern (Auslösern). Und das heißt, dass die früheren Erlebnisse jeweils wie JETZT erlebt werden. Das kann dann zu entsprechende Traumafolgen wie Übererregbarkeit, Apathie, Erinnerungsbilder (flashbacks), Alpträume, plötzlichen Gedächtnis-, Konzentrations- und Orientierungsstörungen, Angst- und Panikzustände, Dissoziationen (Abspaltung von Gefühlen und dem Denken), Schlafstörungen, Suizidgedanken, Halluzinationen, Zwänge, Essstörungen, Chronischen Schmerzen, unregelmäßigen Vitalzeichen, Blutzuckerschwankungen, … führen.
Werden Traumafolgen nicht als solche erkannt und anderen Erkrankungen / Störungsbildern zugeordnet, führt dies häufig zu falschen Behandlungsmaßnahmen und Stigmatisierungen, die die Ursachen – auch aktueller – traumatischer Erlebnisse nicht mit einbeziehen. So erhalten die alten Menschen in ihrem Erleben und in aktuellen Gewaltsituationen nicht die Unterstützung, die sie benötigen.

Inhalte:

  • Einführung ins Thema
  • Begriffsklärung Trauma
  • Abgrenzung Trauma und Demenz
  • Die Diagnose Demenz als traumatisches Erlebnis
  • Demenz als Folge traumatischer Erlebnisse
  • Unterstützungsbedarfe und -möglichkeiten

Ziele:

Die Teilnehmenden

  • kennen Traumaursachen und -folgen
  • kennen die Erkrankung und Symptome der Demenz
  • verstehen die Symptome u. Verhaltensweisen der Betroffenen als Überlebensstrategien
  • können Demenzsymptome von Traumafolgen abgrenzen und entsprechende Unterstützungsmöglichkeiten anbieten
  • können Unterstützung zur Ressourcenstärkung geben
  • erkennen ihre eigenen Belastungen und können sich schützen und versorgen

Methoden:

  • Referate, Gruppenarbeiten, Diskussion, Fallbesprechungen, persönliche Auseinandersetzung, imaginative Übungen
  • Lösungsorientiertes Arbeiten anhand von praktischen Fallbeispielen
  • Ressourcenarbeit, Körperübungen
  • Einsatz verschiedener Medien

Zielgruppe:

  • Alle Akteur*innen, die mit unterschiedlichen Perspektiven und Aufträgen mit und für alte Menschen arbeiten und sie begleiten. Dies sind insbesondere Fachkräfte und weitere Mitarbeitende (auch Ehrenamtliche) aus der Praxis der Altenhilfe, des Pflege-, Therapie- und Sozialwesens.
Referate,

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